Hedgefonds im engeren Sinne sind Anlagefonds, die im Gegensatz beispielsweise zu Investmentfonds keinen oder nur wenigen gesetzlichen Beschränkungen unterliegen. Gesellschafter- und Verwaltungsstrukturen können unübersichtlich sein. Bei Hedgefonds handelt es sich meist um sogenannte Offshore-Fonds, die in Steueroasen wie den Bermudas, Grenada oder den Niederländischen Antillen beheimatet sind.
Ursprünglich dienten Hedgefonds der Kapitalabsicherung (Hedging) vor fallenden Aktienkursen, beispielsweise durch Leerverkäufe, so genannte Short-Positionen. Dabei werden Aktien verkauft, die lediglich ausgeliehen wurden, weil man sie zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besitzt. Bei niedrigeren Aktienkursen werden sie dann wieder zurückgekauft. Das heißt, der Fondsmanager setzt nicht auf steigende sondern auf fallende Kurse. Besteht das Investmentportfolio zusätzlich zu Short-Positionen jedoch auch aus Long-Positionen, die auf steigende Kurse setzen, kommt es zu einer Risikominimierung innerhalb des Fonds.
Inzwischen haben Hedgefonds mit der reinen Absicht der Kapitalabsicherung nur noch wenig zu tun. Im Gegenteil kann es sich bei diesen Fonds um eine hoch spekulative Anlage mit kurzfristigen Gewinnabsichten handeln. Hedgefonds orientieren sich in der Regel nicht an einem Vergleichsindex (Benchmark), sondern sollen ihre großen Freiheiten mit positiven Renditen rechtfertigen, unabhängig von Marktbewegungen in die eine wie die andere Richtung. Investiert werden kann dabei i.d.R. gleichzeitig oder ausschließlich in Aktien, Devisen, Obligationen und in Derivate wie Optionen, Swaps und Futures mit starker Hebelwirkung. Die Strategie des Managements ist in der Regel frei wählbar, was sich an der Zusammensetzung der Portfolios ablesen läßt. Hedgefonds-Manager können darüber hinaus befugt sein, sich zum Ankauf von Investments auch Gelder auszuleihen, so dass der Bestand an Fremdkapital 15 Prozent und mehr des Fondsvermögens betragen kann. Die Wertentwicklung des Fonds ist weniger von Marktbegebenheiten abhängig. Vielmehr entscheidet in weit höherem Maße das Können des jeweiligen Fondsmanagers über den Erfolg des Hedgefonds. Neben den von Investmentfonds bekannten festen Managementgebühren wird deshalb meist auch eine hohe Performance-Fee von durchschnittlich 20 Prozent fällig, die bei Investmentfonds die Ausnahme bildet. Die Mindestanlagesumme in einen Hedgefonds lag bisher häufig bei 50.000 US-Dollar und aufwärts, so dass zahlreiche Hedgefonds nur Großanlegern vorbehalten waren. Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr Hedgefonds-Produkte (Hedgefonds im weiteren Sinn), die mit geringeren Anlagesummen auch Privatanleger ansprechen und so auch dieser Zielgruppe (i.d.R. indirekte) Investments in Hedgefonds ermöglichen.
Da Hedgefonds jedoch in Deutschland ebenso wie in zahlreichen anderen Staaten vom Gesetzgeber nicht zugelassen sind, werden Investments in diese Anlageform von verschiedenen Anbietern über Umwege, beispielsweise Zertifikate oder Genussscheine, ermöglicht. Damit ergeben sich für den deutschen Anleger neue steuerliche und juristische Perspektiven. Wie diese rechtlichen Verpackungen aussehen können, erfahren Sie hier.
Hedgefonds (i.e.S)
Unterliegen keinen oder nur wenigen gesetzlichen und sonstigen Einschränkungen:
Private unkontrollierte Kapitalanlagegesellschaften, die in Steueroasen wie beispielsweise den Bermudas, den Cayman Islands oder Niederländischen Antillen beheimatet sind.
Unübersichtliche Verwaltungs- und Gesellschafterstrukturen
Es existieren keine festen Anlagegrundsätze. Der Fondsmanager reagiert flexibel entsprechend der jeweiligen Marktsituation und versucht unabhängig von der jeweiligen Kursentwicklung eine möglichst hohe absolute Rendite zu erzielen. Dadurch besteht eine geringe Transparenz der angewendeten Managementstile (Strategien).
Spekulieren auf Kredit möglich
Leerverkäufe möglich (Long/Shortpositionen)
Uneingeschränkter Einsatz von Derivaten, sowohl zur Absicherung, als auch zur Spekulation möglich
Unterliegen mglw. Werbebegrenzungen
Rücknahme der Anteile nur monatlich bis hin zu jährlich
Höheres Chancen/Risikopotenzial:
Es handelt sich bei den Anlagegeldern nicht um Wertpapiersondervermögen Bei einer Insolvenz des Hedgefonds-Anbieters sind meist auch die Einlagen des Hedgefonds, teilweise zu 100%, betroffen.
Auf Grund der geringen Transparenz und Nichtreglementierung ist bei der Auswahl des Hedgefonds höchste Vorsicht angezeigt
Guten Fondsmanagern gereicht die Nichtreglementierung zum Vorteil, sie können höhere Renditen erzielen, unabhängig von allgemeinen Trends an den Märkten
Neben meist geringeren feststehenden Managementgebühren erfolgt eine relativ hohe Beteiligung des Fondsmanagers an der erzielten Rendite (durchschnittlich 20 Prozent Performance-Fee)
Da Hedgefonds (i.e.S., also in ihrer Reinform) in Deutschland und den meisten anderen westlichen Industriestaaten nicht erlaubt sind, werden sie in andere rechtliche Hüllen verpackt, nach deren Form sich auch die steuerliche Veranlagung richtet.
Die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland ist verpflichtet, die ab Februar 2004 für alle EU-Staaten verbindlichen OGAW III -Richtlinien umzusetzen, welche auch dem klassischen Fondsmanager wesentlich größere Spielräume verschaffen. Somit darf davon ausgegangen werden, daß spätestens dann immer mehr Hedgefonds und hedgefondsähnliche Produkte dem deutschen Investor zur Auswahl angeboten werden.