07.11.2008 Weltweit staatliche Regulierungen machen Hedgefonds zu schaffen
Hamburg (hedgefondsweb.de) - Der Monat September war für viele Hedgefonds einer der historisch schwierigsten. Die großen Hedgefonds-Indizes verloren auf Jahressicht zwischen -7 % und -9 %, bzw. -12 % bis zu -15 %, schreibt das Fondsmanagement von Aquila Capital.
Das Branca Low Vola-Zertifikat (DE000BC0BPD4), dessen tägliches Market-Making analog zu en meisten anderen Hedgefonds-Zertifikaten am deutschen Markt ausgesetzt worden sei, habe sich mit einem leichten Minus von -2,93 % im September deutlich besser als der Hedgefonds-Markt insgesamt entwickelt. Die Aussetzung sei nicht mit der Bewertung oder der Performance des Zertifikats selbst begründet. "Wir rechnen damit, dass das Market-Making aufgenommen wird, sobald etwas Ruhe in die Märkte zurückgekehrt ist. Eine Rückgabe ist jederzeit möglich. Für Oktober sehen wir den Kurs des Zertifikats bei ca. 1.052,00 Euro", heißt es.
Zum Ausblick der Branche äußert sich Aquila Capital wie folgt:
"Obwohl der Systemcrash nicht eingetreten ist, wird die Umverteilung von Kontrahentenrisiken weiterhin andauern. Einige Institutionen werden ihre Aktivitäten als Prime Broker und Bereitsteller von Liquidität vorerst zurückfahren – freiwillig oder marktbedingt. Allerdings haben finanzpolitische Interventionen, Teilverstaatlichungen und Kapitalbeteiligungen durch Sovereign-Wealth-Funds mehrere große, gut bewertete und kapitalstarke Institutionen geschaffen, die alle nach
Marktanteilen streben werden.
Mittelabflüsse bei Hedgefonds: Nicht nur die Bankenwelt, sondern auch Hedgefonds werden auf ihre Belastbarkeit geprüft. Bilanzintensive Strategien werden mit massiven Kapitalentnahmen und härteren Konditionen rechnen müssen. Diese Zerreißprobe wird so manches Geschäftsmodell überfordern und eine beträchtliche Anzahl Positionen werden abgewickelt werden. Das Geschäft wird langfristig auf die stärkeren Marktteilnehmer umverteilt. Auf lange Sicht werden die Kürzungen von Risikokapital und Leverage sowohl bei Hedgefonds als auch bei Banken zu neuen, aussichtsreichen Opportunitäten für die verbleibenden guten Manager führen. Bei allem Optimismus, den wir im Moment durchaus verspüren, ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sich die beschriebenen
Symptome vor Ende des Jahres vollständig bereinigt haben werden.
Staatliche Maßnahmen: In den vergangenen Monaten haben sich die weitreichenden staatlichen Eingriffe größtenteils nachteilig auf Hedgefonds ausgewirkt, was vielerorts dazu geführt hat, die Situation proaktiv zu behandeln. Einige Maßnahmen werden sich positiv auf die Welt der Hedgefonds niederschlagen wie zum Beispiel die Einrichtung eines zentralen Clearinghauses für Derivate. Andere jedoch bedeuten erweiterte operative und bürokratische Auflagen, die sich unvermeidlich negativ auf die Performance auswirken werden. Viele Manager suchen jetzt den Sündenbock in Form von Politikern und hoffen gleichzeitig auf
ein erhöhtes Verständnis der Vorzüge von Hedgefonds wie zum Beispiel die stabilisierenden Effekte zusätzlicher Liquidität und effizienter Kapitalverteilung. Timing und Ausmaß der verschärften Auflagen sind jedoch derzeit kaum vorhersehbar und werden sich aller Voraussicht nach von Regierung zu Regierung stark unterscheiden".